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Die Geschichte der Apostelkirche
Die Geschichte der Apostelkirche
(1MB)
"Die Apostelkirche" - von Claudia Udris M.A.
Am 1. September 1901 wurde die Apostelkirche nach vierjähriger Bauzeit eingeweiht.
Sie entstand auf dem Gelände des ehemaligen Hospitals zwischen Pfründner-, Spital-, Kennel-, und Pariser Straße.
Ludwig Ritter von Stempel plante sie als neoromanischen Bau mit spitzem Hauptturm von 90 Metern Höhe.
Die Kirche zeigt sich als Zentralbau über einem Grundriss in Form eines griechischen Kreuzes.
Über der Vierung erhebt sich ein gedrungener, achteckiger Turm, die Kreuzflügel sind mit kleineren Türmen geschmückt.
Die Giebelfront zur Pariser Straße ist durch ein großes Portal mit Treppe und eine riesige Fensterrose charakterisiert
Der Innenraum war bis zur Beschädigung 1944 im neoromanischen Stil gestaltet.
Über der Kanzel war ein Glas- und Goldmosaik angebracht.
In dem von der Brauereifamilie Jaenisch gestifteten Radfenster (Rosette) über dem Hauptportal war Christus dargestellt.
Die Seitenfenster auf zwei Emporen zeigten die 12 Apostel.
Der runde Innenraum mit hohen umlaufenden Emporen wurde durch ein Kreuzrippengewölbe über den Kreuzarmen und eine Vierungskuppel nach oben abgeschlossen.
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"Tausende waren trotz des unbeständigen Wetters herbeigeströmt, aus der Stadt und aus den umliegenden Ortschaften, um der erhabenen Feier beizuwohnen. Die Pariser Straße erschien als wahre Triumphstraße. Der Stadtteil Kotten hatte Hervorragendes geleistet: Jedes kleinste Häuschen prangte in buntem Schmuck - ein Zeichen, wie stark die mit Glücksgütern spärlicher gesegneten Bewohner dieses Stadtteils Anteil an der Feier nahmen."
So schreibt die "Pfälzische Presse" über die Einweihungsfeier. Ein großer Festzug hatte sich von der Stiftskirche zur Apostelkirche in Bewegung gesetzt. Für eine rasch wachsende Stadt war schon lange eine neue protestantische Kirche ersehnt worden: Bei 56 000 Einwohnern zählte Kaiserslautern damals 38 000 Protestanten, aber nur zwei evangelische Kirchen. Die Quellen beschreiben das Großereignis an der Schwelle zum 20. Jahrhundert im Kolorit der Zeit: Bayrische, blau-weiße Girlanden gehören genauso dazu wie das nationalistische Pathos, mit dem in der Einweihungspredigt an den Sedanstag erinnert wurde.
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Unser Gemeindegebiet umfasst den Kotten, die westliche Innenstadt und das Wohngebiet Galgenschanze.
Von der Mühlstraße bis zum Lothringer Eck sind hier rund 6000 Protestanten zu Hause.
Unsere markante Kirche direkt an der Pariser Strasse und unser Gemeindehaus direkt hinter der Kirche in der Spitalstraße 28, sind unsere Treffpunkte.
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"Nie vergessen werde ich, wie der Turm der Apostelkirche in sich zusammenstürzte: die brennende Fackel, der stiebende Funkenregen, der heiße Wind vom Kotten - einem Kind von 4 Jahren brennt sich dieses Bild unauslöschlich ein."
Die Kinder von damals sind die 70jährigen von heute. Und wenn sie, wie der Augenzeige, die Nacht zum 28. September 1944 im Umkreis der Apostelkirche erlebt haben, erzählen sie so lebendig davon, dass selbst den Nachgeborenen der Atem stockt:
In dieser Nacht blieb um 2.37 Uhr die Uhr der Apostelkirche stehen.
Der Turm war in sich zusammengestürzt und überragte gespenstisch den zerstörten Stadtteil Kotten. Als ein Mahnmal machte er mitten in der Stadt für die nächsten fünfzehn Jahren deutlich:
Ein Volk, das sich dem Größenwahn verschrieben hatte, musste wieder ganz von vorne anfangen.
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Ein Bild der Zerstörung
aus: Max Braun-Rühling: Eine Stadt im Feuerregen, 1991 Gondrom-Verlag Kaiserslautern
Zeitzeugen erinnern sich immer noch mit Grauen an die Schrecken des Bombenkrieges über Deutschland: Fast eine halbe Million Todesopfer waren zu beklagen. Hunger und Hamsterkäufe, Trümmer und Tränen prägten die Folgejahre.
In Kaiserslautern schien man zunächst von schweren Bombardements verschont. Bis in das letzte Kriegsjahr schätzte man das Risiko für die Westpfalzmetropole eher gering ein. Dann kam es aber um so schlimmer: Am 7. Januar, 14. August und 28. September 1944 wurden weite Teile der Stadt zerstört. Die Chronik berichtet vom schlimmsten Angriff in der Nacht vom 27. auf den 28. September.
In wenigen Stunden waren mehr als 150 Tote zu beklagen: Frauen, Kinder, alte Menschen.
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1952 wurde ein Wiederaufbauverein gegründet.
Der ermöglichte, in der Notkirche wieder Gottesdienste zu feiern.
Wie ein Auferstehungserlebnis wirkte die Vollendung des
Wiederaufbaus 1956 für eine Generation, die so vieles an Trümmern gesehen hatte - und die sich in umfassenden Eigenleistungen beim Wiederaufbau beteiligte, so konnten die unermüdliche Sammlerinnen und Sammler über 100 000 DM zusammentragen.
Die reinen Baukosten betrugen 750 000 DM, das wären heute,
unter Berücksichtigung der Kaufkraftveränderung, 1 370.000 €
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Im Herbst 1962 war der Turm fertiggestellt.
Nach zähen Diskussionen war die exakte Wiederherstellung des früheren Innenraums abgelehnt worden. Die entscheidenden Änderungen gegenüber der "alten" Apostelkirche waren: Die Schaffung eines hellen und einheitlich geformten Mittelraumes vom Fußboden bis zur Kuppel (Durchmesser 18 m), sowie die Tieferlegung der Kuppel (17 m) und die Verringerung der Höhe der Emporen.
Der Kirchenraum bietet jetzt 700 Sitzplätze; unter den Seitenemporen und auf der Orgelempore kann für weitere 270 Menschen Platz geschaffen werden.
Am 2. Dezember 1967 wurde das Gemeindehaus in der Spitalstr. 28 eingeweiht.
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Im Januar 1992 wurde unter der westlichen Seitenempore eine moderne Kapelle errichtet,
die für kleinere Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen genutzt wird.
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Der entsprechende Raum auf der gegenüberliegenden Seite, fotografiert von Sabrina Dohle, Technische Universität Kaiserslautern, 2006 (www.sabrinadohle.de)
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Seltene Perspektive
(www.sabrinadohle.de)
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Die Glocken der Apostelkirche (gis° - h° - dis') bilden das einzige Geläut an einer evangelischen Kirche Südwestdeutschlands, das aus der Zeit der Jahrhundertwende stammt und in den Kriegsjahren - wie durch ein Wunder - der Einschmelzung entgangen ist.
Im Jahr 1900 wurden die Glocken von der Kaiserslauterer Gießerei Gebr. Pfeifer gegossen und montiert.
Die gis°-Glocke wiegt 3705 kg und hat einen Durchmesser von 1,97 m.
Sie wird geläutet, wenn aus der Gemeinde ein Mensch zu Grabe getragen wird.
Ihre Inschrift lautet: "Ehre sei Gott in der Höhe"
Die h°-Glocke wiegt 2305 kg bei einem Durchmesser von 1,65 m.
Sie läutet beim Vater Unser, beim Trausegen und bei der Einsegnung der Konfirmanden.
Ihre Inschrift lautet: "Ein feste Burg ist unser Gott"
Die Taufglocke in dis' wiegt 1113 kg, ihr Durchmesser beträgt 1,31 m.
Ihre Inschrift lautet: "Kommt, denn es ist alles bereit".
Während des 1. Weltkriegs entgingen die Glocken einer Beschlagnahme. 1942 mussten die beiden großen Glocken für den Kanonenguss abgeliefert werden. Die kleine Glocke blieb hängen und fiel in der Brandnacht 1944 vom Turm in den Gottesdienstraum - sie blieb unversehrt. 1947 wurden die beiden anderen Glocken in einem Hamburger Lager gefunden und zurücktransportiert.
Seit Weihnachten 1951 freuen sich die Kaiserslauterer wieder an dem einzigartigen Geläute.
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Die Glocken der Apostelkirche
(3MB)
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Die Kuppel erstreckt sich in einer Höhe von 17 m über dem Kirchenboden.
Sie hat einen Durchmeser von 18.5 m. (Foto: www.britta.scherfer.de)
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In ihrer Mitte ist ein Oberlicht mit einem Durchmesser von 3 m zu sehen.
Die Glasauflagearbeiten wirdem von dem Grafiker Norbert Louis angefertigt.
Dargestellt sind die Symbole der vier Evangelisten:
Engel (Matthäus), Löwe (Markus), Stier (Lukas) und Adler (Johannes).
(Foto: www.britta-scherfer.de)
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Das Kircheninnere bekommt durch die Rundstruktur des Zentralbaus eine besondere Qualität. In der Apostelkirche wird sakrale Dichte durch die versammelte Gemeinde verstärkt.
Foto: www.sabrinadohle.de
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Kanzel, Taufstein und Altar wurden von dem Kaiserslauterter Bildhauer Richard Menges geschaffen. Der rötlichbraune Marmor für das Ensemble stammt aus Ungarn. An den beiden Beinen des Altars sind die Symbole der vier Evangelisten zu sehen, allerdings nicht aus Gemeindesicht, denn wegen eines reformierten Bilderverbots wurde veranlasst, dass der Altar um 180 ' gedreht aufgestellt wurde. An der Außenseite der Kanzelbrüstung sind Reliefbilder der Zwölf Apostel zu sehen. Das Ensemble wurde vom Protestantischen Frauenverein gestiftet. (Foto: www.sabrinadohle.de)
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Die Konfirmandinnen und Konfirmanden des Jahrgangs 2011
fotografieren ihre Kirche.
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Der letzte der Apostel, an der Treppe, direkt am Eingang zur Kanzel, ist Judas,
erkennbar am Strick um den Hals und dem Geldsäckchen in der Hand.
Für 30 Silberlinge hat er Jesus verraten - und sich in einem Akt der Verzweiflung aufgehängt.
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Bereits am 31. August 1901 wird in der Wochenendbeilage "Zeitbilder" der "Pfälzischen Presse" die Akustik der Apostelkirche gelobt: "Wir sprechen hierbei den Wunsch aus, daß bei Kirchenkonzerten evangelischen Charakters künftighin nur die Apostelkirche gewählt werde, damit uns bei solchen Anlässen die Vollkommenheiten eines modernen Orgelvortrags zu Gute kommen können."
Im Jahr 1917 musste die Gemeinde 54 Zinnpfeifen der Orgel mit 563 kg Gewicht zum Einschmelzen für Munition abgeben. Der 80 cm hohe eiserne Jugendstilzaun, der auf der halbrund abgedeckten Einfassungsmauer montiert war, wurde 1938/39 bei der Schrottsammelaktion der Regierung entfernt und eingeschmolzen.
Im 2. Weltkrieg wurde die Orgel durch Brandbomben völlig zerstört.
Die jetzige Orgel wurde 1957 von der Firma Steinmeyer, Öttingen, gebaut.
Sie hat 3 Manuale und Pedal, 45 Register und mehr als 2500 Pfeifen.
Die größten wiegen an die 200 kg.
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Die Rosette auf der Südseite, zur Pariser Straße hin, hat einen Durchmesser von 7,36 m.
In Variationen aus Rot- und Blautönen bietet sie ein reiches Spiel an Farben und Formen zwischen Himmel und Erde.
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Seit September 1994 ist in der Kirche ein abstrakter Bilderzyklus zum Vater-Unser zu sehen. Er wurde von der Kaiserslauterer Künstlerin Erika Klos anläßlich der Gedenkwoche "50 Jahre Bombardierung Kaiserslauterns" geschaffen. Dank Sponsoren konnte die Gemeinde das Kunstwerk erwerben und damit zeitgenösische Kunst zum Bestandteil der Apostelkirche machen.
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Offen sein für die Lebenswirklichkeit der Menschen in unserer Nachbarschaft - das ist uns genauso wichtig wie ein protestantisch geprägtes geistliches Kultur- und Bildungsangebot für unsere Stadt.
Wir unterhalten das Gebäude der Apostelkirche als einen für uns wichtigen Ort, um unsere Gottesdienste zu feiern und auch als wertvollen Bestandteil unseres Stadtbildes.
Zwei evangelische Kindergärten liegen in unserem Gemeindegebiet und vier Alten- und Pflegeheime.
Wir veranstalten regelmäßige Gemeindenachmittage mit interessanten Themen bei Kaffee und Kuchen, Ausflugsfahrten und im Winter das "Sonntags ma(h)l anders" - ein kostenloses Mittagessen mit Kaffeetafel und Unterhaltungsprogram.
Die regional bekannte Spendenaktion "alt - arm - allein" wurde von der Apostelkirche zusammen mit St. Maria und der Tageszeitung "Die Rheinpfalz" ins Leben gerufen und seither mitgetragen.
Die Apostelkirche ist ein sehr beliebter Veranstaltungsort für Konzerte.
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| Hier zu den Adressen der Apostelkirche |
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